{"id":69,"date":"2016-03-08T17:33:48","date_gmt":"2016-03-08T16:33:48","guid":{"rendered":"http:\/\/ndegunda.ch\/?p=69"},"modified":"2016-04-23T15:36:09","modified_gmt":"2016-04-23T13:36:09","slug":"lesen-und-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ndegunda.ch\/?p=69","title":{"rendered":"lesen und schreiben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Werner Ryser: Walliser Totentanz<\/strong><\/p>\n<p>Das Wallis am \u00dcbergang vom 15. zum 16. Jh. Das Tal ist fest in der Hand der Kirche. Der Bischof in Sitten ist geistlicher und weltlicher Herr. Nat\u00fcrlich gibt es auch reiche Weltliche, die zur Macht streben, der S\u00f6ldnerf\u00fchrer Georg Supersaxo (J\u00f6rg Uff der Fl\u00fce) zum Beispiel. Zuerst f\u00f6rdert er Matth\u00e4us Schiner. Zusammen organisieren sie den Sturz des amtierenden Bischofs (der fremde F\u00f6tzel stammt aus Uri: Jost von Silenen). Als Schiner Bischof in Sitten wird, entspannt sich ein langer Machtkampf zwischen ihm und Supersaxo. Schiner ist ehrgeizig und genauso machtgeil wie Supersaxo. Die kleinen Leute werden r\u00fccksichtslos geopfert, meist auf den Schlachtfeldern als S\u00f6ldner. Mit der Reisl\u00e4uferei ist offenbar Macht und Reichtum zu gewinnen: man ist mit den M\u00e4chtigen in Kontakt und liefert ein knappes Gut.<br \/>\nRyser schildert, wie sich die armen Bauern aus dem Goms anwerben lassen, verlockt durch das Handgeld, aber vor allem durch die Aussicht auf Reichtum durch Pl\u00fcnderungen. Schon auf dem Weg zur Schlacht wird gebrandschatzt, gemordet, vergewaltigt und gepl\u00fcndert. Nach der Schlacht werden die Leichen gefleddert. Da kommt einem schon der IS in den Sinn.<br \/>\nDas Fegefeuer und die H\u00f6lle sind allgegenw\u00e4rtig. Damit l\u00e4sst sich ein Druck aufbauen. Mit Ablassen kann man sich frei kaufen.<!--more--><\/p>\n<p>Das Dorf wird von Ryser einmal als vielk\u00f6pfiger Drache geschildert, der Gift verspr\u00fcht, Hass und Zwietracht s\u00e4t. Bevorzugte Opfer sind Aussenseiter. Es gen\u00fcgt, jemanden anzuklagen (Hexerei, H\u00e4resie oder sonst ein Vergehen), die Folter f\u00f6rdert immer ein Gest\u00e4ndnis zutage. Die weltlichen Herren, das heisst der amtierende Zendenmeier, aber auch Kreditgeber, in deren Schuld sich viele arme Familien befinden, profitieren von der Hinrichtung. Das Gut des Opfers f\u00e4llt in ihre Hand.<br \/>\nOder man kann den Angeklagten auch im Verliess schmoren lassen und vergessen.<br \/>\nEs wird viel gelitten, gek\u00e4mpft, gestorben. Der Tod ist allgegenw\u00e4rtig. Der Sex ist derb, die Gewalt drastisch geschildert. Das Leben im Hochtal ist hart, Naturkatastrophen k\u00f6nnen die Ernte vernichten, dann hungert man im langen Winter. Und Hexen k\u00f6nnen sie herbeif\u00fchren, also verbrennt man ein paar Frauen. Und dann kommt noch die Pest: Gottes Strafe f\u00fcr den s\u00fcndigen Lebenswandel.<br \/>\nDas Buch ist gut und spannend geschrieben. Besonders interessant zu lesen ist es nat\u00fcrlich im Goms oder wenn man das Goms kennt und mit all den Ortsangaben etwas anfangen kann.<\/p>\n<p>Die Capellanis sind aus dem Pomat zugewandert. Sie sind nicht reich und geben die junge Maria dem viel \u00e4lteren Bertsch Zussen zur Frau. Der ist zweifach verwitwet und braucht eine Frau und eine Mutter f\u00fcr seine Kinder. Nach der Geburt ihres Sohnes Johann verweigert sie sich ihrem Mann.<br \/>\nSie und Tomlin, ein Reisl\u00e4ufer, den sie gesund pflegt, verlieben sich. Als der Alte sie eines Tages \u00fcberrascht, schl\u00e4gt ihn Tomlin tot und flieht. Maria wird verhaftet und in Ernen als Hexe verbrannt.<br \/>\nJohann muss zuschauen. Er ist gescheit, kommt in die Obhut des Rektors In Superiori Villa (Imoberdorf) und wird Pfarrer, ausgerechnet in M\u00fcnster, wo er ungeliebt ist und bleibt. Weil er den M\u00e4rtyrer-Christus, zu dem die Leute pilgern, abh\u00e4ngt und auf dem Boden versorgt, kommt er nach Sitten ins Verliess. Das Kreuz wird gefunden, er wird im Kerker vergessen, sein Gut (das Zussen-Gut) kommt an den M\u00fcnstiger Wirt Egid Lagger und den Pfeifer Johann Gon.<br \/>\nErst nach 2 Jahren holt ihn In Superiori Villa raus. Er wird als Pfarrer in M\u00fcnster wieder eingesetzt und erh\u00e4lt sein Gut zur\u00fcck und einen anst\u00e4ndigen Lohn. Beliebt ist er jetzt noch weniger.<br \/>\nAls die Kr\u00e4uterfrau Josefina Capellani stirbt, \u00fcbernimmt Magdalena, eine Nichte, das Haus und die Aufgabe als Heilerin. Ihr Bruder Franziskus versucht sein Heil als S\u00f6ldner, wird aber von Johann Gon vor der Schlacht umgebracht. Egid Lagger hat ihn dazu angestiftet, da Franziskus von Johann Zussen als P\u00e4chter angefragt wurde f\u00fcr das Zussen-Gut, das Lagger gern zur\u00fcckh\u00e4tte. Der j\u00fcngere Bruder Jodok geht auch nach Italien und kehrt viel sp\u00e4ter mit 3 Kindern aus Italien zur\u00fcck, nachdem seine Frau an der Pest gestorben ist. Er wohnt bei Magdalena.<br \/>\n1507 wird dem Luzerner K\u00fcnstler J\u00f6rg Keller der Auftrag f\u00fcr einen Altar in M\u00fcnster erteilt. Magdalena trifft ihn in der Kapelle im Ritzinger Feld. Sie verliebt sich und er nimmt sie und zeugt die Tochter Maria. Sie wird ein vertr\u00e4umtes Kind.<br \/>\nJodok erf\u00e4hrt, wie sein Bruder Franzikus gestorben ist und r\u00e4cht ihn. Nachdem er auch Lagger erschlagen hat, verl\u00e4sst er das Dorf und schliesst sich Supersaxo an, der gegen Schiner k\u00e4mpft.<br \/>\nAls Magdalena mit ihrer Freundin auf eine Wallfahrt nach Einsiedeln geht, verw\u00fcstet ein Unwetter die Ernte im Goms. Da m\u00fcssen die Hexen im Spiel sein. Die Pfarrk\u00f6chin wird angeklagt und zieht unter der Folter die Capellani-M\u00e4dchen Anna, Elsa und Maria als weitere Hexen hinein. Sie werden in Ernen verbrannt. Magdalena kommt wegen einer Erkrankung zu sp\u00e4t zur\u00fcck, verflucht die Gommer und verkommt als Bettlerin in Bern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner Ryser: Walliser Totentanz Das Wallis am \u00dcbergang vom 15. zum 16. Jh. Das Tal ist fest in der Hand der Kirche. Der Bischof in Sitten ist geistlicher und weltlicher Herr. Nat\u00fcrlich gibt es auch reiche Weltliche, die zur Macht streben, der S\u00f6ldnerf\u00fchrer Georg Supersaxo (J\u00f6rg Uff der Fl\u00fce) zum Beispiel. 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